Rußrindenkrankheit jetzt auch an Rosskastanie nachgewiesen

Die Rußrindenkrankheit gilt bisher als Krankheit der Ahorne, allen voran des Bergahorns. Ein Fall aus Trier zeigt, dass sie auch Rosskastanien befallen kann. Ein Team um Ann-Christin Brenken vom Julius Kühn-Institut und Prof. Dr. Rolf Kehr von der HAWK Göttingen hat den Erreger Cryptostroma corticale erstmals in Deutschland zweifelsfrei an Aesculus hippocastanum nachgewiesen.

Der Fall

Betroffen war eine kleine Gruppe um 1950 gepflanzter Rosskastanien im Stadtgebiet von Trier. Sie standen auf einer früher gastronomisch genutzten Terrasse an einem südexponierten Hang, auf sandigem, verdichtetem Boden. Bei den jährlichen Baumkontrollen fiel seit 2018 eine nachlassende Vitalität auf. Im Dezember 2022 zeigte einer der Bäume – rund 25 Meter hoch, Stammumfang 2,22 Meter – absterbende Kronenteile, Rindenverluste bis in etwa acht Meter Höhe, auffallend kleine Knospen und schwarze Sporenmassen in den Rindenrissen. Unter dem Kambium war das Splintholz verfärbt. Im Februar 2023 wurde der Baum aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt.

Der Nachweis

Aus dem verfärbten Holz gewonnene Kulturen wurden mikroskopisch und genetisch untersucht. Beide Methoden ordnen den Pilz eindeutig Cryptostroma corticale zu; die Erbgutsequenz stimmt bis zu 100 Prozent mit Isolaten vom Bergahorn überein. In der Literatur war die Rosskastanie zwar schon zweimal als möglicher Wirt genannt worden, bislang aber ohne Beleg. Auffällig: Anders als beim Bergahorn, wo die Sporen direkt unter der Rinde gebildet werden, entstanden sie an der Rosskastanie unter abblätternder Korkrinde.

Was das für die Praxis bedeutet

Die Autoren empfehlen, die Rosskastanie in die Liste der Wirtsbäume aufzunehmen. Sie halten den Pilz für einen Schwächeparasiten, der vor allem gestresste Bäume krank macht – Hitze und Trockenheit begünstigen ihn, mit dem Klimawandel gewinnt die Krankheit an Bedeutung. Im Trierer Fall kamen mehrere Belastungen zusammen: ein trockener, verdichteter Standort, Befall durch die Rosskastanienminiermotte und ein nahegelegener Ahornbestand, in dem die Rußrindenkrankheit seit 2017 auftritt. Ob der Pilz die Rosskastanie auch allein zum Absterben bringen kann, müssen Infektionsversuche noch zeigen.

Für die Baumkontrolle heißt das: Schwarze, rußartige Beläge unter sich lösender Rinde sind nicht mehr nur am Ahorn ein Warnzeichen. Wie mit befallenem Holz umzugehen ist, hat Rolf Kehr bereits 2020 in „Rußrindenkrankheit an Ahorn – Biologie, Pathologie und Entsorgung von Schadholz“ beschrieben.

Quelle: Brenken, A.-C., Kehr, R. D., Riebesehl, J., Esch, J. & Enderle, R. (2024): First report of Cryptostroma corticale on Aesculus hippocastanum causing sooty bark disease in Germany. Journal of Plant Diseases and Protection. doi.org/10.1007/s41348-024-00891-4

Prof. Dr. Rolf Kehr lehrt an der HAWK in Göttingen Gehölzpathologie und Mykologie und ist Studienfachberater für Arboristik.

Beitragsbild: Foto: Olenka Stasyuk / Unsplash