Baumschutzfachliche Baubegleitung: Was der FLL-Fachbericht BaumBB verlangt

Die Regeln für den Schutz von Bäumen auf Baustellen sind seit Jahrzehnten bekannt. Trotzdem kommt der Baumschutz in der Praxis oft erst zur Sprache, wenn die Wurzeln schon gekappt sind. Diese Lücke will die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) mit ihrem Fachbericht „Baumschutzfachliche Baubegleitung (BaumBB)“ schließen. Er ist 2025 erschienen und umfasst rund 80 Seiten. [1][2]

Warum ein eigener Fachbericht?

Nach Darstellung der FLL wird der Baumschutz auf Baustellen nicht konsequent umgesetzt. Oft wird er erst behandelt, wenn bereits Schäden entstanden sind. Die entscheidenden Weichen werden aber in Planung und Genehmigung gestellt. [1] Prof. Dirk Dujesiefken nennt in einem Vortrag drei Gründe für den neuen Bericht: Die bestehenden Regelwerke kommen auf der Umsetzungsebene nicht an. Oft fehlt eine Person, die den Baumschutz umsetzt und kontrolliert. Und es fehlen einfache Hilfen dazu, wann im Planungs- und Bauprozess was zu beachten ist. [3]

Erarbeitet hat den Bericht ein FLL-Arbeitskreis unter Leitung des Landschaftsarchitekten und Baumsachverständigen Thomas Amtage. [4] Die BaumBB kann als eigenständiges Instrument eingesetzt werden oder als Teil der Umweltbaubegleitung. [1][2]

Was der Bericht abdeckt

Laut Inhaltsübersicht im FLL-Shop reicht der Bericht von Begriffen, rechtlichen und normativen Rahmenbedingungen über baumbiologische und bodenfachliche Grundlagen bis zu Eingriffen und ihren Auswirkungen. Weitere Kapitel behandeln Schutz- und Schadensminimierungsmaßnahmen und das Baumschutzkonzept. Ein eigenes Kapitel gilt der Baubegleitung selbst, einschließlich Dokumentation, Monitoring, Leistungsbeschreibung und Vertragsgestaltung. Ein Abschnitt zu Sondernutzungen wie temporären Veranstaltungen schließt den Bericht ab. [2][3] Außerdem beschreibt er die fachliche Eignung, die für die Durchführung der BaumBB nötig ist. [2][3]

Er richtet sich ausdrücklich an alle Beteiligten [1][2]:

  • Vorhabenträger, Auftraggeber und Genehmigungsbehörden
  • Planende
  • ausführende Bau- und GaLaBau-Unternehmen
  • Baumpflegebetriebe, Baumkontrolleure und Sachverständige

Aufgaben über den gesamten Bauablauf

Dujesiefken unterscheidet zwei Ebenen: die planerische und die praktische Umsetzung. Die Schwerpunkte sind Einbindung in die Planung, Umsetzung auf der Baustelle, Dokumentation und Monitoring. [3] Wie das konkret aussehen kann, zeigt der Anforderungskatalog der Stadt Bremen, der den FLL-Fachbericht als fachliche Grundlage nennt. [5]

  • Planung: Baumschutzkonzept für alle Bauphasen, Beratung der Projektbeteiligten
  • Ausschreibung und Vergabe: Beratung zu Bauzeiten- und Baustelleneinrichtungsplan und zur Leistungsbeschreibung
  • Ausführung: Beweissicherung vor Baubeginn, Festlegung der Schutzmaßnahmen, Baustellenkontrollen in der Regel mindestens wöchentlich, Anwesenheit bei Erdarbeiten im Wurzelbereich mit Wurzelprotokoll, Meldung von Verstößen an die Behörde
  • Rückbau und Abschluss: Begleitung des Rückbaus, Zustandsdokumentation und Abschlussbericht
  • Monitoring: Kontrolle der Entwicklung geschädigter Bäume, wo nötig

Diese Phasengliederung stammt aus der Bremer Verwaltungsvorgabe. Ob der FLL-Bericht genau so gliedert, ist öffentlich nicht beschrieben.

Bezug zu DIN 18920, R SBB und ZTV-Baumpflege

Der Fachbericht stützt sich auf DIN 18920 und, für den Straßenbau, auf die R SBB. [1][2] Die „Richtlinien zum Schutz von Bäumen und Vegetationsbeständen bei Baumaßnahmen“ (R SBB) der FGSV gibt es in der Ausgabe 2023. Sie wurden Ende 2023 eingeführt und ersetzen die RAS-LP 4 von 1999. [6] DIN 18920 ist seit Juni 2026 in neuer Fassung erschienen und ersetzt die Ausgabe von 2014. Neu sind unter anderem ein Abschnitt zu Voruntersuchungen und die Trennung von Schutzmaßnahmen und Schadensminimierung. [7] Für Leistungstexte zu Schutz und Schadensminimierung verweist Dujesiefken auf die ZTV-Baumpflege. [3]

Recht und Verträge

Die rechtlichen Rahmenbedingungen und die vertragliche Umsetzung waren eigene Themen auf der FLL-Online-Fachtagung im September 2025 (Dr. Cedric Vornholt, Katharina Imfeld). [8] Imfeld stellte auf den FLL-Verkehrssicherheitstagen 2025 zudem Möglichkeiten der Vertragsgestaltung vor. [9]

Zertifizierung: angekündigt, noch nicht eingeführt

Auf den FLL-Verkehrssicherheitstagen 2025 gab Tanja Büttner von der FLL-Geschäftsstelle einen Einblick in den aktuellen Aufbau einer FLL-Zertifizierung für die BaumBB. [9] Auf der Zertifizierungsseite der FLL sind derzeit aber nur der Zertifizierte Baumkontrolleur und der Qualifizierte Spielplatzprüfer aufgeführt. [10] Ein Weiterbildungsanbieter schreibt, die FLL arbeite an einer Prüfungsordnung. [11] Voraussetzungen, Prüfungsform und Starttermin hat die FLL bisher nicht veröffentlicht. Kurse mit eigenen Zertifikaten privater Anbieter sind keine FLL-Zertifizierung.

Auftraggeber setzen deshalb eigene Maßstäbe. Bremen etwa vergibt die BaumBB an öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Baumpflege, Baumstatik und Baumsanierung. [5]

Quellen

  • [1] FLL: Neuer FLL-Fachbericht Baumschutzfachliche Baubegleitung (BaumBB), 09.04.2025 – fll.de
  • [2] FLL-Shop: Fachbericht Baumschutzfachliche Baubegleitung 2025 – shop.fll.de
  • [3] Dujesiefken: Aktuelles über neue Regelwerke zum Baumschutz auf Baustellen, Vortrag Pillnitz 2026 – PDF
  • [4] bau.bi: Neuer Fachbericht zur baumschutzfachlichen Baubegleitung, 03.06.2025 – bau.bi
  • [5] Freie Hansestadt Bremen, SUKW: Anforderungskatalog baumschutzfachliche Baubegleitung – PDF
  • [6] GALK: R SBB – Neue Richtlinien zum Baumschutz auf Baustellen – galk.de
  • [7] DIN Media: DIN 18920:2026-06 – dinmedia.de
  • [8] FLL: Rückblick Online-Fachtagung BaumBB, 22.09.2025 – fll.de
  • [9] FLL: Rückblick auf die FLL-Verkehrssicherheitstage 2025 – fll.de
  • [10] FLL: Zertifizierungen – fll.de
  • [11] Baum4 Baumakademie: Seminar Baumschutzfachliche Baubegleitung – baum4.de

Beitragsbild: Foto: Yanhao Fang / Unsplash