Viele heimische Straßenbäume kommen mit den Bedingungen in der Stadt immer schlechter zurecht: Hitze, Trockenheit, versiegelte Flächen und wenig Wurzelraum setzen ihnen zu. Ein Team um Prof. Dr. Andreas Roloff von der TU Dresden hat deshalb untersucht, welche chinesischen Baumarten für mitteleuropäische Straßen in Frage kommen – vor allem dort, wo es künftig trockener und heißer wird.
Wie die Arten ausgewählt wurden
Ausgangspunkt waren mehr als 1.000 chinesische Gehölzarten. In einem ersten Schritt blieben nur die übrig, die ausreichend winterhart sind (mindestens Winterhärtezone 7a, also etwa −15 °C) und in ihrer Heimat auch mit wenig Niederschlag auskommen. Weitere Kriterien waren eine baumartige Wuchsform mit geradem Stamm, eine ausreichende Endhöhe, ein geringes Invasionsrisiko und die Verträglichkeit typischer Stadtstandorte: Spätfrost, kalkhaltige Böden, Verdichtung, Staunässe, Hitze und Trockenheit sowie Streusalz. Gemeinsam mit chinesischen Partnern wurde die Liste weiter eingegrenzt.
Die verbliebenen Arten wurden dann dort geprüft, wo sie schon lange als Straßenbäume stehen: an 70 Straßenstandorten in Peking mit wenig Wurzelraum und überwiegend versiegelter Fläche unter der Krone. Bewertet wurden Bäume, die seit mindestens 25 Jahren stehen, nach der Vitalitätsansprache von Roloff, die vier Stufen von der Exploration bis zur Retraktion unterscheidet. Als geeignet galt eine Art nur, wenn sie an allen Standorten im Mittel in den beiden besten Vitalitätsstufen lag. Grundlage waren Beobachtungen auf mehreren Forschungsreisen zwischen 2009 und 2016.
Das Ergebnis
40 Arten zeigten an Pekinger Straßen eine gute bis sehr gute Vitalität. Darunter sind in Europa bekannte Bäume wie Ginkgo, Schnurbaum, Blasenesche und Urweltmammutbaum, aber auch Arten, die hier kaum gepflanzt werden. Als besonders interessant für europäische Städte heben die Autoren diese Arten hervor:
- Acer truncatum (Schantung-Ahorn)
- Celtis bungeana (Bunges Zürgelbaum)
- Eucommia ulmoides (Guttaperchabaum)
- Fraxinus chinensis (Chinesische Esche)
- Pistacia chinensis (Chinesische Pistazie)
- Platycarya strobilacea (Zapfennuss)
- Populus tomentosa (Chinesische Weißpappel)
- Quercus mongolica (Mongolische Eiche)
- Tilia mandshurica (Mandschurische Linde)
- Ulmus pumila (Sibirische Ulme)
- Ziziphus jujuba (Jujube)
Worauf zu achten ist
- Winterhärte: Einige Arten – darunter die Chinesische Pistazie und Quercus acutissima – sind grenzwertig winterhart. Die Autoren raten, sie nicht in Gebieten unterhalb der Winterhärtezone 7b zu pflanzen.
- Staunässe und Verdichtung: 15 der 40 Arten vertragen Staunässe im Wurzelraum schlecht, Bodenverdichtung ist dagegen nur für wenige ein Problem. Auch Spätfrost und Streusalz können einzelne Arten für bestimmte Standorte ausschließen.
- Invasivität: Nur beim Götterbaum sehen die Autoren ein deutliches Invasionsrisiko in Mitteleuropa. Offen ist, wie allergen manche fremden Arten in dicht besiedelten Gebieten wirken.
- Herkunft des Pflanzguts: Dieselbe Art kann in China ganz anders wachsen als in europäischem Baumschulmaterial. Die Provenienz ist deshalb entscheidend.
- Nicht alles funktioniert: Birken – mit Ausnahme von Betula platyphylla – sind an Pekinger Straßen nach heißen, trockenen Sommern gescheitert.
Einordnung
Die Autoren verstehen ihre Liste ausdrücklich als Ausgangspunkt, nicht als fertige Pflanzempfehlung. Viele der Arten sind in Europa kaum erforscht; ihre Eignung muss in Pflanzversuchen und durch Beobachtung über Jahre bestätigt werden, etwa über die Fachgremien der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK). Für Arboristen ist die Arbeit vor allem eine Fundgrube: Sie zeigt, welche Arten sich unter harten Straßenbedingungen über Jahrzehnte bewährt haben – und welche Fragen vor einer Pflanzung zu klären sind.
Quelle: Roloff, A., Gillner, S., Kniesel, R. & Zhang, D. (2018): Interesting and new street tree species for European cities. Journal of Forest and Landscape Research 3 (1), S. 1–7. doi.org/10.13141/jflr.v3i1.1995 (frei zugänglich über Qucosa, TU Dresden)
Prof. Dr. Andreas Roloff ist Baumbiologe an der Professur für Forstbotanik der TU Dresden.
Beitragsbild: Foto: Caroline Badran / Unsplash
