Welche Bäume die Dürre in der Stadt aushalten: Ergebnisse aus „Stadtgrün 2021“

Welche Bäume halten Hitze und Dürre an der Straße aus? Kaum ein Projekt hat diese Frage in Deutschland so lange und so systematisch verfolgt wie „Stadtgrün 2021“ der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim. Geleitet hat die Versuche über viele Jahre Dr. Susanne Böll, die 2026 verstorben ist.

Der Versuch

Seit 2010 stehen rund 650 Versuchsbäume aus fast 30 Arten und Sorten an Straßen in drei bayerischen Städten mit sehr unterschiedlichem Klima: Würzburg im warmen Weinbauklima als Hitze- und Trockenheits-Hotspot, Hof/Münchberg mit kontinentalem Klima und starken Frösten, Kempten im niederschlagsreichen Voralpenraum. Jede Art wurde mehrfach je Standort gepflanzt. 2010 kamen 20 Arten in den Test, 2015 weitere neun. Die meisten stammen aus Südosteuropa, Asien und Nordamerika. Jährlich wurden Frost- und Trockenschäden, Kronenvitalität, Gesundheit und Zuwachs bewertet. Über 30 Kommunen im Bayerischen Netzwerk Klimabäume liefern zusätzlich eigene Bonituren.

Fieberkurven: Wie heiß wird es am Baum?

Von 2018 bis 2020 maßen die Forschenden in Würzburg alle 10 bis 15 Minuten die Temperaturen an Blatt, Rinde und im obersten Wurzelraum. Verglichen wurden je zwei Hainbuchen und Winterlinden mit ihren südosteuropäischen Verwandten Hopfenbuche und Silberlinde. Die Werte sind beachtlich:

  • Unter dunklem Lavamulch erreichte der Boden über 60 °C. Heller Holzhäckselmulch lag bis zu 15 °C darunter.
  • Die Rinde erwärmte sich auf bis zu 50 °C, an der Südseite dünnrindiger Bäume auf über 40 °C – genug, um das Kambium zu schädigen. Die großen Unterschiede zwischen Nord- und Südseite erzeugen Spannungen und Risse.
  • Blätter erreichten teils über 44 °C.

Die südosteuropäischen Arten regelten ihre Blatttemperatur besser und überschritten die 40-Grad-Marke seltener und kürzer. Die Silberlinde dreht dazu die hell behaarte Blattunterseite zur Sonne; ihre Spaltöffnungen liegen eingesenkt im Haarfilz. Die Hopfenbuche schließt ihre Spaltöffnungen früh und nutzt Wasser sparsam. In den aufeinanderfolgenden Dürresommern 2019 und 2020 verlor die Hopfenbuche diesen Vorsprung teilweise, die Silberlinde nicht. Die Hainbuchen erlitten 2019 bleibende Hitze- und UV-Schäden an den Blättern.

Wer die Dürrejahre gut überstand

Am Hitzestandort Würzburg zeigten Ginkgo, Blumenesche, Hopfenbuche und Schnurbaum in den Jahren 2018 bis 2020 keine Dürreschäden; die Hopfenbuche wuchs dort auch in Extremsommern am stärksten. Ulme ‚Rebona‘ etablierte sich an allen drei Standorten sehr gut, die Purpurerle war insgesamt die wüchsigste Art. Andere kamen an ihre Grenzen: Silberlinde, Zerreiche, Guttaperchabaum und Amberbaum zeigten in Würzburg 2019 und 2020 Wachstumseinbrüche, die sich mit einzelnen Wassergaben abmildern ließen. Der Rotahorn ‚Somerset‘ musste ab 2019 regelmäßig gewässert werden. In Hof warf die Mongolische Linde 2018 vorzeitig ihr Laub, der Eisenholzbaum bekam schweren Sonnenbrand.

Nicht nur Hitze entscheidet: Die Kobushi-Magnolie reagierte empfindlich auf Salz und Hitze, die Zelkove fiel durch Ausfälle und Stammrisse auf, und bei der Spanischen Eiche fielen rund 60 Prozent der Bäume aus, weil Edelreis und Unterlage nicht zusammenpassten. Auch die Ungarische Eiche gedeiht nur, wenn sie auf die eigene Art veredelt ist.

Was die Praxis daraus mitnehmen kann

  • Es gibt keinen Universal-Klimabaum. Die Empfehlungen unterscheiden sich je nach Region deutlich – Würzburg hat die längste Liste geeigneter Arten, Kempten die kürzeste. Mischpflanzungen streuen das Risiko.
  • Stammschutz dauerhaft: Dünnrindige Arten wie Hainbuche, Eisenholzbaum und Kobushi-Magnolie brauchen Schutz vor Sonne, nicht nur in den ersten Jahren.
  • Heller Mulch statt Lava: Dunkle Materialien heizen den Wurzelraum stark auf.
  • Unterpflanzung später: Baumscheiben erst ab dem vierten Standjahr bepflanzen, in heißen Städten ab dem sechsten, damit keine Wurzelkonkurrenz entsteht.
  • Wässern in den ersten Jahren: Neupflanzungen sind in den ersten fünf Standjahren am anfälligsten; in Extremphasen begrenzen auch einzelne Wassergaben die Schäden.
  • Standort beachten: Zerreichen sind Wirtsbäume des Eichenprozessionsspinners und gehören nicht auf Schulhöfe; Blumen- und Rotesche brauchen breite Pflanzstreifen.

Die LWG bezeichnet ihre Bewertung selbst als vorläufig, und die Temperaturmessungen beruhen auf wenigen Bäumen an einem Standort. Als Langzeitversuch unter echten Straßenbedingungen gehört „Stadtgrün 2021“ dennoch zu den wichtigsten Grundlagen für die Baumartenwahl in deutschen Städten.

Wie man Trockenstress direkt am Baum ablesen kann, zeigt der Beitrag Der Jahrestrieb verrät, wie Bäume die Dürre verkraften. Zum Tod von Susanne Böll: Stadtbaum-Forscherin Dr. Susanne Böll verstorben.

Quellen: Eppel, J. & Böll, S. (2021): Vergleichende Untersuchungen zur Hitze- und Trockenstresstoleranz von „Klimabäumen“ und herkömmlichen Straßenbäumen anhand kontinuierlicher Temperaturmessungen im Wurzel-, Rinden- und Kronenbereich („Fieberkurven“ von Stadtbäumen). Endbericht, LWG Veitshöchheim. PDF · Böll, S. (2018): Stadtbäume der Zukunft. Veitshöchheimer Berichte 184, S. 75–85. PDF

Beitragsbild: Foto: Juraj Martinák / Unsplash