Gemeine Esche ist Baum des Jahres 2027

Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) ist Baum des Jahres 2027 – nach 2001 zum zweiten Mal. Mit der erneuten Wahl soll beides sichtbar werden: wie stark die Art durch das Eschentriebsterben gefährdet ist und dass es wissenschaftlich begründete Hoffnung auf ihren Erhalt gibt. Als Deutsche Baumkönigin 2027 wirbt Maria Huisinga für den Jahresbaum. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) plant aus diesem Anlass gemeinsam mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Juli 2027 eine Tagung sowie einen neuen Band ihrer Reihe „LWF Wissen“.

Eschentriebsterben: worauf es bei der Kontrolle ankommt

Das Eschentriebsterben wurde in Bayern 2008 erstmals nachgewiesen. Der aus Asien eingeschleppte Pilz Hymenoscyphus fraxineus bildet seine Fruchtkörper auf abgefallenem Eschenlaub. Seine Sporen infizieren während der Vegetationszeit neue Blätter und Triebe; von dort dringt der Erreger ins Gewebe vor und verursacht Nekrosen sowie Trieb- und Kronenschäden. Nach Einschätzung der LWF ist inzwischen nahezu jede Esche in Bayern infiziert. Laut vierter Bundeswaldinventur hat die Art dort binnen zehn Jahren rund 14.000 Hektar Standfläche verloren.

Lange wurde der Zustand erkrankter Eschen vor allem an der Kronenverlichtung beurteilt. Neuere Untersuchungen zeigen, dass auch Stammfuß und Wurzelansatz eine wichtige Rolle spielen: Dort entstehen Nekrosen, die von außen schwer zu erkennen sind, und zusätzliche Pilzinfektionen im Wurzelbereich destabilisieren die Bäume weiter. Die Bruch- und Umsturzgefahr wird dadurch leicht unterschätzt. Der Blick auf die Belaubung reicht bei der Kontrolle deshalb nicht – an Straßen, Wegen und Erholungseinrichtungen gehört der Stammfuß sorgfältig mit untersucht.

Vollständig resistente Eschen sind bisher nicht bekannt. Ein kleiner Teil der Bäume toleriert den Befall jedoch besser, und diese Toleranz ist zumindest teilweise erblich. In der Praxis gilt es deshalb, vitale Alteschen zu erhalten, Naturverjüngung zu fördern und die genetische Vielfalt zu sichern – wo die Esche noch vorkommt, verjüngt sie sich weiterhin natürlich. LWF und Bayerisches Amt für Waldgenetik untersuchen die Anfälligkeit verschiedener Eschenarten.

Bundesweit läuft seit 2025 das Verbundvorhaben FraxForFuture 2 – FraxRecovery, koordiniert von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt: drei Jahre, zehn Teilvorhaben, rund 7,2 Millionen Euro Förderung. Es soll tolerante Eschen finden und vermehren, genetische Ressourcen sichern, die Baumart in geeignete Waldökosysteme zurückbringen und den Erfolg überprüfen.

Eine Schlüsselart der biologischen Vielfalt

Die Esche wird 30 bis 40 Meter hoch und bis zu 300 Jahre alt. Ihre ökologische Bedeutung ist größer, als ihre Häufigkeit vermuten lässt: Sie beeinflusst Lichtangebot, Streuzersetzung, Bodenentwicklung und Lebensraumstruktur, ihr leicht zersetzbares Laub hält die Nährstoffkreisläufe in Gang. Blätter, Zweige, Rinde und Holz nutzen zahlreiche Tiere, Pilze, Flechten und Mikroorganismen; einige Insekten sind eng an die Esche gebunden. Wie viele Arten an der Esche hängen, zeigt die Datenbank Plant Parasites of Europe: Sie verzeichnet 361 Arten, die an Fraxinus excelsior leben oder sich von ihr ernähren – darunter 201 Insekten, 10 Milben und 149 Pilze. Alte und abgestorbene Bäume bieten Höhlen, Spalten, Totholz und weitere Mikrohabitate – zuerst für Spechte, später für Fledermäuse, Vögel und Kleinsäuger.

In Auen und an Bächen stabilisiert ihr kräftiges Wurzelsystem die Ufer und mindert Erosion, in Hang- und Schluchtwäldern trägt sie zur Struktur und Stabilität der Waldgesellschaft bei. Auf Kalkstandorten verträgt sie auch Trockenheit. Gerade in Auwäldern können andere heimische Baumarten ihre Funktionen nicht ohne Weiteres übernehmen.

Quelle: idw – Informationsdienst Wissenschaft (LWF), 04.11.2026 · Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung

Foto: AnRo0002 / Wikimedia Commons (CC0)

Beitragsbild: Foto: AnRo0002 / Wikimedia Commons (CC0)